Also, ein bißchen was kann ich auch noch beitragen...
Die Johanniter-Schwesternschaft besitzt 2 Rekonstruktionen der mittelalterlichen Festtagstracht einer Vollschwester, die innerhalb der Gemeinschaft ausgeliehen werden (z.B. für Veranstaltungen). Beide sind mir einem roten Mantel versehen.
Da ich nur ungerne mit einer dieser Trachten auf einen Markt gehen wollte, um sie nicht zu ruinieren (und weil ich doch deutlich größer bin als der Durchschnitt!), habe ich mir eigene Gewandung zugelegt. Natürlich habe ich auch noch mal selber recherchiert, weil mir der rote Mantel für die doch eher "dienenden" Schwestern seltsam vorkam. Ich habe auch keine Belege dafür gefunden; auf den wenigen Abbildungen ist der Mantel schwarz... Ich wollte den Ordenshistoriker des Johanniterordens auch noch fragen, wie diese Rekonstruktion zustande kam, war aber leider zu spät dran - er ist unerwartet verstorben

. Also trage ich meine eigene Festtagstracht mit einem schwarzen Mantel.
Interessant ist in diesem Zusammenhang ja auch die Tatsache, daß Farben im Mittelalter anders betrachtet wurden als heute - die Symbolik stand wesentlich stärker im Vordergrund. Heute würde man rot als unpassende Farbe für eine Ordensschwester sehen, da zu "bunt" (ich werde auch manchmal auf Märkten darauf angesprochen; gerne vom örtlichen Pfarrer

); im Mittelalter war das für die Angehörigen der Kreuzritterorden aber eine durchaus passende Farbe; sie stand unter den liturgischen Farben für Martyrium und den Heiligen Geist! Also für einen Ordensritter im Kampf die perfekte Farbe, da er ja real der Gefahr des "für-seinen-Glauben-getötet-werdens" ins Auge sah... aber auch die Schwestern gingen ein greifbares Risiko ein, sich während ihres Dienstes zum Beispiel eine ansteckende Krankheit einzufangen. Mindestens bei den Vollschwestern, deren Adelsprobe zeitweise strenger war als die der Ritter und die man sich nicht unbedingt als verhuschte graue Mäuschen ohne Bildung, Einfluß oder Selbstbewußtsein vorstellen sollte, war rot vermutlich aus diesen Gründen auch in der Festtagstracht vertreten - und vielleicht auch, um ihre Stellung gegenüber den anderen weiblichen Ordensangehörigen zu betonen...
Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch die Parallele zu modernen Zeiten (wobei ich hier nur für die Johanniter, also die Ballei Brandenburg, sprechen kann): hier tragen bei formellen Anlässen, also z.B. dem jährlichen Ritterschlag in der Komturkirche in Nieder-Weisel, die Ritter den schwarzen Ordensmantel. Passend, da sie ihre Dienste im Namen des Ordens nicht mehr wirklich mit dem Schwert verrichten, auch wenn unter Umständen noch ein gewisses Restrisiko bleibt. Die "dienenden" Schwestern tragen die schwarze Schwesterntracht mit weißer Haube. Die JUH (manchmal auch als "Speerspitze des Ordens" bezeichnet), die sich Tag für Tag auf der Straße mit Kranken, Verletzten, Besoffenen etc. auseinandersetzt, bei Katastrophen im In- und Ausland Kopf und Kragen riskiert und Veranstaltungen aller Art absichert (und dabei, zum Glück sehr selten, auch mal was "auf's Maul" angeboten bekommt), kommt in Rotzeug. Schwestern und JUH'ler führen traditionell den Zug zur Kirche an und stellen sich dann rechts und links von der Tür auf, damit beim Einzug in die Kirche noch mal alle Ritterbrüder daran erinnert werden, wofür sie eigentlich ihre Arbeit leisten und was quasi "an der Front" geschieht...
Hier wird also die Trennung der Farben zwischen den "Kämpfern" und den "Nonkombattanten" immer noch gelebt...
